• Rotes Suzuki Motorrad bei Nacht vor einem Suzuki-Shop

      Frauen in der Motorradbranche: Interview mit Alicia Richter

    Zur Person

    Name: Alicia Richter
    Alter:
    30
    Beruf:
    Motorradverkäuferin
    Berufserfahrung in der Motorradbranche:
    2 Jahre
    Berufliche Stationen:
    Realschulabschluss, Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin, Ausbildung zur Drogistin, Verkäuferin bei einer Drogeriekette, seit Oktober 2024 Motorradverkäuferin
    Aktuelle Position:
    Stellvertretende Verkaufsleiterin im Motorradhaus Raudzus, Husum.

    Alicia Richter

    Interview mit Alicia Richter

    Gratuliere! Mit der Ernennung zur Stellvertretenden Verkaufsleiterin hast du gerade einen wichtigen Schritt in deiner Karriere gemacht.
    Vielen Dank! Ja, das ist wirklich großartig. Ich freue mich wahnsinnig auf die zusätzlichen Gestaltungsmöglichkeiten – und die damit einhergehende Verantwortung.

    Vom Brot zum heißen Ofen

    Beschreibe kurz deinen Weg zu dieser Position.
    Ursprünglich habe ich Bäckereifachverkäuferin gelernt. Dann habe ich eine zweite Ausbildung als Drogistin absolviert und eine Zeit lang in diesem Beruf gearbeitet. Nebenher habe ich mich immer schon wahnsinnig für Motorräder interessiert und meine Erlebnisse auf Instagram geteilt. Dadurch ist man offenbar beim Motorradhaus Raudzus in Husum auf mich aufmerksam geworden. Der Teamleiter hat mich kontaktiert und gefragt, ob ich mir einen Job als Motorradverkäuferin vorstellen könnte. Und ja, das konnte ich. Denn ich war ohnehin gerade auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung.

    Was hat den Ausschlag für den Wechsel in die Motorradbranche gegeben?
    Ich wollte im Verkauf bleiben. Und ich liebe Motorräder.

    Seit wann fährst du Motorrad?
    Im Jahr 2023 habe ich den Schein gemacht und mir dann gleich ein Bike gekauft.

    Halb Sportler, halb Tourer

    Welches Motorrad fährst du aktuell?
    Bei meinem ersten Kontakt mit dem Motorradhaus Raudzus habe ich eine Suzuki GSX-8R Probe gefahren – und spontan gekauft. Das Bike passt einfach perfekt zu mir; was mich aber nicht davon abgehalten hat, die Maschine umfangreich zu individualisieren. Ich habe dem Bike eine knallige Lackierung in Candy Red verpasst, die Felgen sind in der gleichen Farbe gepulvert. Eine Auspuffanlage von Arrow sorgt für einen starken Sound; dann habe ich noch andere Spiegel, Blinker, einen kurzen Kennzeichenträger und Sturzpads verbaut.

    Welcher Biker-Typ bist du?
    Ich würde mal sagen halb Sportler, halb Tourer. Deshalb passt die „R“ für mich ja so perfekt.

    Von welcher Motorradaktivität träumst du?
    Ich würde gerne mal in Italien die Pässe abfahren; am liebsten in einer kleinen Gruppe. Ich bin gerne zusammen mit anderen Bikern und Bikerinnen unterwegs. Deshalb bin ich auch Mitglied in einer Whats-App-Motorradgruppe. Darin verabreden wir uns zu gemeinsamen Ausfahrten.

    „Das will ich auch!“

    Was machst du, wenn du dich gerade mal nicht mit Motorrädern beschäftigst?
    Ich spiele gerne Konsole, am liebsten Autorennspiele. Und außerdem bringe ich mir gerade selber das Tätowieren bei.

    Wie bist du zum Motorradfahren gekommen?
    Schon als Kind war ich von Motorrädern fasziniert. Sobald ich ein Motorrad gesehen oder gehört habe, ist etwas in mir passiert. Spontan war da das Gefühl: Das will ich auch!

    Welcher Aspekt deiner aktuellen Tätigkeit macht dir besonders Spaß?Ganz klar der Kundenkontakt – und natürlich, dass ich die neuen Vorführer alle selbst intensiv ausprobieren kann.

    Wie reagieren männliche Kunden auf eine weibliche Motorradverkäuferin?Sehr positiv. Ich profitiere natürlich von meiner langjährigen Verkaufserfahrung, und auch meine Szenekenntnis kommt mir in dieser Tätigkeit zugute. Ich denke, das gute Verhältnis zur Kundschaft spiegelt sich nicht zuletzt in den zahlreichen positiven Google-Bewertungen wider.

    Motorradfahren ist Freiheit

    Wie hast du dich als Frau in einer noch immer stark männlich geprägten Branche durchgesetzt?
    Ich musste mich eigentlich nicht groß durchsetzen; schließlich hat mich der Verkaufsleiter aktiv angeworben. Sei es bei Kunden oder Kollegen: Mir hilft mein präsentes Auftreten. Und ich glaube, die Kunden haben sich über ein junges, frisches Gesicht gefreut. Wie schon gesagt, bin ich privat in einer Whats-App-Gruppe. Die hat einige tausend Mitglieder, darunter sehr viele Bikerinnen. Auch da herrscht ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe zwischen den Geschlechtern.

    Welcher Moment in deiner Karriere ist dir besonders in Erinnerung geblieben?Natürlich war die Ernennung zur Stellvertretenden Verkaufsleitung ein großartiger Moment. Gerne erinnere ich mich auch an eine Kundin, der ich bei der Auswahl der Bekleidung wertvolle Tipps geben konnte. Ich hatte das Gefühl, diese Bikerin fühlte sich bei mir so gut aufgehoben, dass sie sich deshalb spontan ein neues Motorrad bei mir gekauft hat.

    Gibt es ein Projekt, an das du dich besonders gerne erinnerst?
    Das war der spektakuläre Umbau meiner GSX-8R. Und ich habe schon ein neues Projekt: Ich möchte mir einen Cruiser bauen. Die Basis ist noch offen, die Farben müssen aber auf jeden Fall wieder schwarz und rot sein.

    Was bedeutet Motorradfahren für dich persönlich?
    Freiheit: aufs Bike setzen, den Kopf freibekommen, Gedanken sortieren.

    „Zeigt den Männern, wo der Hammer hängt!“

    Welche Werte motivieren dich in deinem beruflichen und privaten Leben?
    Wertschätzung und Kommunikation. Mir ist es wichtig, dass man Dinge offen anspricht und – falls nötig – gemeinsam nach Lösungen sucht.

    Was möchtest du in deiner Karriere noch erreichen?
    Jetzt konzentriere ich mich zunächst auf meine neuen Aufgaben als Stellvertretende Verkaufsleitung. Wenn ich eines Tages die Verkaufsleitung übernehmen könnte, wäre das natürlich toll.

    Welche Entwicklungen in der Branche beschäftigten dich aktuell besonders?Die vergangene Saison war bekanntermaßen schwierig. Weniger Menschen können oder wollen sich ein neues Motorrad leisten. Da müssen wir als Branche gegensteuern. Ganz wichtig ist meiner Meinung nach der Kontakt zum Nachwuchs. Erst kürzlich habe ich einen Flyer entworfen, den wir in Fahrschulen ausgelegt haben. Darin haben wir genau erklärt, welche Finanzierungsangebote es für Einsteiger gibt. Auch im Bekleidungsbereich haben wir spezielle Angebote für die Newcomer, um den Start ins Motorradleben zu erleichtern. Außerdem versuchen wir, die Szene mit Events und Workshops gezielt anzusprechen.

    Wie lautet deine persönliche Botschaft an Frauen, die sich für einen Job in der Motorradbranche interessieren?
    Zeigt den Männern, wo der Hammer hängt! Zeigt ihnen, dass wir „Motorrad“ genauso gut können wie sie!