• Paula van Zalk steht neben einer blauen Suzuki

    Frauen in der Motorradbranche: Interview mit Paula van Zalk

Zur Person

Name: Paula van Zalk
Alter:
22 Jahre
Beruf:
Zweiradmechatronikerin (Ende des Jahres Meisterin)
Berufserfahrung in der Motorradbranche:
6 Jahre
Stationen:
3 Jahre Ausbildung bei Harley-Davidson (2020-2023), 2 Gesellenjahre bei Harley-Davidson (2023-2025), 1 Gesellenjahr beim Motorradshop Bergkamen (2025-2026)
Aktuelle Position:
Angestellt als Gesellin / Besuch der Meisterschule

Paula van Zalk steht vor einem Suzuki Zeichen

Mit dem Motorrad in die Kita

Welches Motorrad fährst du aktuell?
Ich habe eine Harley-Davidson Sportster sowie eine Beta Xtrainer 300.

Welches ist dein Traumbike?
Da kann ich mich überhaupt nicht festlegen. Es gibt so viele tolle Motorräder mit jeweils eigenen Vorzügen. Wenn ich könnte, hätte ich zusätzlich zum Chopper noch ein paar Bikes. Also, da kämen in Frage: eine DR-Z4S als sportliche Enduro, der Adventure Tourer V-Strom 800 und als Highlight der Supersportler GSX-R1000R.

Welcher Biker-Typ bist du?
Am meisten Spaß habe ich definitiv im Gelände. Ansonsten fahre ich gerne kleinere Touren durchs Sauerland oder nehme das Motorrad mit in den Urlaub – so wie letztes Jahr nach Kroatien.

Und was machst du, wenn du mal gerade nicht mit dem Motorrad unterwegs bist?
Ich spiele Eishockey im Verein, treffe mich mit Freundinnen, gehe ins Fitnessstudio – oder schraube privat an Projekten.

Wie bist du zum Motorradfahren oder in die Motorradbranche gekommen?
Als ich im Kindergarten war, hat mich mein Papa dort mit einem Dnepr-Gespann abgeholt, später hat er mich als Sozia auf anderen Motorrädern mitgenommen. Ich war schon früh gerne mit ihm in der Garage und habe ihm beim Schrauben geholfen. Seit seiner Jugend hat er zum Spaß eigene Projekte rund um Motorräder verfolgt. Das hat scheinbar abgefärbt …

Grüne Hercules Prima 5S an einem FLuss

Hercules Prima 5S

Fehlendes Vertrauen und Frustration

Welches war dein erstes Motorrad, und welche Bedeutung hatte es für dich?
Zu meinen 14. Geburtstag habe ich eine Hercules Prima 5S geschenkt bekommen, die ich zusammen mit meinem Papa restauriert habe. Pünktlich zum 15. Geburtstag war die Maschine dann fertig. Das Mofa habe ich zwei Jahre lang gefahren. Danach konnte ich es aber nicht übers Herz bringen, es zu verkaufen, weshalb es bis Anfang 2025 als Deko in meinem Zimmer stand. Letztes Jahr habe ich es wieder startklar gemacht und fahre hin und wieder zu Mofa-Treffen oder einfach so eine gemütliche Runde.

Welche Erfahrungen hast du als Frau in einer noch immer stark männlich geprägten Branche gemacht?
Ich habe es immer wieder erlebt, dass mir bestimmte Sachen einfach nicht zugetraut wurden oder ein Kollege direkt in meine Arbeit eingegriffen hat, ohne zu fragen. Das wäre einem männlichen Mitarbeiter so wahrscheinlich nicht passiert. Das kann ganz schön frustrierend sein, vor allem wenn man weiß, dass man das alles ganz locker alleine geschafft hätte. Als Auszubildende habe ich mich aber nicht getraut zu widersprechen. Ich bin dann meist kurz rausgegangen und habe mir meinen Teil gedacht.

Hat sich die Wahrnehmung von Frauen in der Motorradwelt deiner Erfahrung nach in den letzten Jahren verändert
Das beschriebene Problem hatte ich nie mit Gleichaltrigen. Ganz allgemein werden Frauen mittlerweile in Handwerksbetrieben zum Glück immer mehr als normal angesehen. Ich bin auch sehr glücklich, dass in meinem Meisterkurs noch eine andere Frau ist. Das hatte ich im Betrieb oder in der Berufsschule noch nie.

Hohe Anforderungen aber eine freundschaftliche Atmosphäre

Wie ist die Idee entstanden, Meisterin zu werden?
Die Idee hatte ich schon nach der Ausbildung, ergeben hat es sich dann zwei Jahre später.

Hat dich dein Betrieb dabei unterstützt, auf die Meisterschule zu gehen?
Ich wollte keine Unterstützung vom Betrieb, da man sich dann verpflichten muss, über einen bestimmten Zeitraum dort zu bleiben. Das Gefühl, irgendwo gebunden zu sein, gefällt mir nicht. Was aber nicht heißt, dass ich mir nicht vorstellen kann, länger in einem Betrieb zu arbeiten.

Wie erlebst du die Zeit in der Meisterschule?
Die Anforderungen sind sehr hoch, und ich komme ab und zu an meine Grenzen. Ich mache mir aber auch selbst viel Druck, möglichst gut zu sein und mein Bestes zu geben. Der Umgang unter den Meisterschülern ist sehr freundschaftlich.

Welcher Erfolg oder Moment in deiner bisherigen Laufbahn ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Mein erster Komplett-Umbau und natürlich mein erster bestandener Meisterkurs!

Gibt es ein Projekt oder eine Leistung, auf die du besonders stolz bist?
Ich habe mir eine neue Pan America bei Harley gekauft und diese komplett zu Hause umgebaut. Da steckte viel Liebe drin, allerdings habe ich sie verkauft, um finanzielle Spielräume während des Besuchs der Meisterschule zu haben.

„Mein Vorbild ist definitiv mein Papa“

Was bedeutet Motorradfahren für dich persönlich?
Ich habe einfach das Gefühl, den ganzen Stress hinter mir zu lassen und frei zu sein. Deshalb ist mir der jährliche Campingurlaub mit dem Motorrad auch so wichtig. Auch die Tagestouren durchs Sauerland sind immer toll. Generell gefällt mir die Motorrad Community. Man hilft sich gegenseitig, und es finden tolle Gespräche statt.

Welche Werte motivieren dich in deinem beruflichen und privaten Leben?
Ich behandle Leute privat sowie auch im beruflichen Alltag mit Respekt – genauso wie ich es von anderen mir gegenüber erwarte. Wenn der Respekt fehlt, kann kein vernünftiges Gespräch und noch viel weniger eine Beratung zustande kommen.

Hast du ein Vorbild in der Branche oder außerhalb, das dich inspiriert?
Mein Vorbild ist definitiv mein Papa. Ich habe noch nie erlebt, dass er ein Projekt beim Schrauben aufgegeben hätte. Das inspiriert und motiviert mich, selber nie aufzugeben.

Welche Karriereziele hast du?
Dieses Jahr liegt der Fokus erst mal darauf, alle Meisterkurse weiterhin gut zu bestehen. Ansonsten habe ich keine konkreten Pläne für die Zukunft – außer natürlich, in der Branche zu bleiben und glücklich damit zu sein.

Welche Entwicklungen in der Branche beschäftigen dich gerade besonders?
Ein bisschen schade finde ich es, dass es keine Zweitakter mit Straßenzulassung mehr gibt.

Botschaft an Frauen

Hast du eine persönliche Botschaft an Frauen, die sich für einen Job in der Motorradbranche interessieren?
Auf jeden Fall! Erfüllt euch diesen Traum und gebt nicht auf. Wenn ihr schlechte Erfahrungen macht oder nicht akzeptiert werdet im Betrieb, wechselt nicht gleich den Beruf, sondern probiert es woanders. Es wird viel mehr Leute geben, die euch total beeindruckend finden als Leute, die euch nicht akzeptieren. Ihr werdet es nicht bereuen!