• Beyond the Helmet: Interview mit Eva Stein-Senger

Zur Person

Name: Eva Stein-Senger
Alter:
31
Beruf:
Zweiradmechatronikerin
Berufserfahrung in der Motorradbranche:
16 Jahre
Stationen:
Ausbildung, sechs Jahre Vollzeit als Zweiradmechatronikerin, nebenbei Rennsport (Supermoto, Motocross, Straßenrennen)
Aktuelle Position:
seit 1. Januar Geschäftsführerin bei Motorrad Stein GmbH in Rüsselsheim

Interview

Q: Welches Motorrad fährst du aktuell?

A: Oh, das sind einige. Besonders mag ich meine DR-Z4S, und ich habe auch noch das Vorgängermodell DR-Z400. Nicht trennen kann ich mich von meinen Rennmotorrädern SV650 und RM-Z250. Und dann sind da noch eine RV 50 und ein Address 110.

Q: Hast du ein Traumbike?

A: Wenn es das einfach so zu kaufen gäbe: ganz klar ein MotoGP-Bike. Ansonsten bin ich mit meinem aktuellen Fuhrpark sehr zufrieden. Und natürlich habe ich den Luxus, mir einfach mal ein Bike aus unserem Vorführerpool mit bis zu 25 Fahrzeugen nehmen zu können.

Q: Welcher Biker-Typ bist du?

A: Ich würde mich als Motorradsportlerin bezeichnen. Im regionalen Rahmen habe ich mit meiner RM-Z250 im Motocross mitgemischt, Supermoto bin ich im Rahmen der deutschen Meisterschaft gefahren und international war ich im Twin-Cup bei der IDM unterwegs. Hier habe ich auch meine größten Erfolge gefeiert, wie z. B. einen dritten Rang in der Gesamtwertung gleich im ersten Jahr. Auch nach dem Ende meiner aktiven Karriere buche ich mir manchmal einen Slot auf dem Hockenheimring und drehe ein paar Turns mit einem Supersportler. Ich „spiele“ aber auch gerne im Matsch – und das nicht nur beim Motocross. Mittlerweile habe ich auch die größeren Hubräume für mich entdeckt. Gerne nehme ich mit der V-Strom 1050DE, deren V-Motor ich liebe, anspruchsvolle Trails unter die Stollen.

Q: Wie bist du zum Motorradfahren bzw. in die Motorradbranche gekommen?

A: Ganz klar durch die Familie. Vor 31 Jahren haben sich meine Eltern selbständig gemacht. Von klein auf bis ins Grundschulalter habe ich viel Zeit in unserem Motorradhaus verbracht, bin quasi darin aufgewachsen. Motorräder haben mich von Anfang an fasziniert, schon als Kind habe ich viel MotoGP geschaut, zahlreiche Strecken habe ich an ihrem Layout erkannt. Mit 15 habe ich mit dem Rennsport im Supermoto begonnen, wir hatten damals ein kleines Team vom Motorradhaus. Bei vielen Rennen musste ich meine Maschine selbst reparieren, was mir großen Spaß machte. Da wuchs dann der Wunsch, die Arbeiten auf professionellem Niveau durchzuführen, und ich entschied mich für die Ausbildung zur Zweiradmechatronikerin.

Q: Wie hast du dich als Frau in einer noch immer stark männlich geprägten Branche durchgesetzt?

A: Frauen werden in der Motorradszene häufig in eine Schublade gesteckt und müssen beweisen, dass sie es trotzdem können – sei es als Sportlerin oder als Mechanikerin. Bis heute machen Kunden manchmal dumme Sprüche, wenn ich sie im Geschäft begrüße. Die sagen dann: „Jetzt will ich mal eine Fachkraft sprechen.“ Ich lasse das an mir abperlen und sage dann nur: „Die steht vor Ihnen.“ Auch im Motorsport bin ich vielen Vorurteilen begegnet. Im Twin-Cup waren wir nur zwei Frauen. Ich bin von Anfang an vorne mitgefahren, da gab es unter den Männern dann schon mal Gerede in der Art von „Wieso kann die das?“. Am Können konnte es im Weltbild so mancher Fahrer offenbar nicht liegen, so dass ich mit meinem Bike öfter zum Prüfstand musste als die männlichen Kollegen.

Q: Wie hat sich die Wahrnehmung von Frauen in der Motorradwelt in den letzten Jahren verändert?

A: Aus meiner Sicht nicht besonders stark. Ich kann auch bei den Azubis in unserem Bereich keinen höheren Frauenanteil feststellen.

Q: Welcher Moment in deiner Karriere ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

A: Ein einzigartiger Moment war der, als mein Vater mir die Geschäftsführung antrug. Da habe ich sehr viel Wertschätzung für mich als Person und das bisher Erreichte gespürt.

Q: Gibt es ein Projekt, an das du dich besonders gerne erinnerst?

A: Da gibt es einige, und das sind eigentlich immer besonders anspruchsvolle Arbeiten, z. B. wenn ich ein Rennmotorrad aufbaue. Gerne denke ich an die GSX-R1000 zurück, die wir für Ralf Waldmann aufgebaut haben, der damit für unser Team die 1.000 Kilometer von Hockenheim gefahren ist.

Q: Was bedeutet Motorradfahren für dich persönlich?

A: Freiheit und Spaß.

Q: Welche Werte motivieren dich in deinem beruflichen und privaten Leben?

A: Ich habe das Glück, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Daher freue mich (fast) jeden Tag, zur Arbeit zu gehen. Ich habe jeden Tag tolle Motorräder um mich und sehr viel Abwechslung.

Q: Hast du ein Vorbild in der Branche oder außerhalb, das dich inspiriert?

A: Ich bewundere sehr, was meine Eltern mit unserem Motorradhaus auf die Beine gestellt haben. Inspirierend finde ich auch Valentino Rossi, der nach seiner MotoGP-Karriere als Ausnahmefahrer nicht nur in den Automobilrennsport umgestiegen ist, sondern auch noch sein eigenes Team managt und trotzdem noch viel Zeit für seine Familie aufbringt.

Q: Welche Karriereziele hast du?

A: Ich möchte unser Geschäft weiter voranbringen. Das bedeutet aber nicht, dass einfach der Umsatz weiter wachsen soll, sondern ich möchte auch unsere regionale Verankerung ausbauen und die Kundenbeziehungen noch nachhaltiger gestalten. Auch Individualisierung ist ein topaktuelles Thema für mich. Wir sind dabei, unser Angebot unverwechselbarer Folierungen noch vielfältiger zu gestalten, und bieten Umbauten an (alles mit Straßenzulassung). Ich möchte, dass das Motorradhaus Stein auch künftig nicht irgendein Motorradhändler ist, sondern DER Motorradhändler in seiner Region.

Q: Welche Entwicklungen in der Branche findest du aktuell besonders wichtig?

A: In den letzten Jahren sind viele Dinge immer komplizierter geworden. Die Abgasnormen werden immer strenger, mit dem Effekt, dass an sich aktuelle Motorräder unverkäuflich werden. Und auch die zunehmende Ausstattung mit Elektronik erfordert immer höheren Aufwand und zahllose Schulungen. Ich glaube, etwas Konstanz täte der Branche gut.

Q: Wie lautet deine persönliche Botschaft an Frauen, die sich für einen Job in der Motorradbranche interessieren?

A: Traut euch einfach und lasst euch nicht von anderen Leuten beeinflussen!