Zur Person
Name: Theresa van Rooijen
Alter: 35
Beruf: Zweiradmechatronikern, Fachrichtung Motorrad
Berufserfahrung in der Motorradbranche: Seit 2014
Stationen: Zunächst Restaurantfachfrau, dann zweite Ausbildung zur Zweiradmechatronikern
Aktuelle Position: Werkstattannahme bei Suzuki Dresden, Werkstattkoordination – und oft „Mädchen für alles“

Am liebsten Richtung Sonne – Nina über ihre Traumtouren und das perfekte Bike
1. Welches Motorrad fährst du aktuell
Ich besitze eine FZ8 Fazer, bediene mich aber sehr gerne aus unserem Vorführerpool mit den aktuellen Suzuki Modellen.
2. Wenn du „freie Auswahl“ hättest: Was wäre dein Traumbike?
Ganz klar die Suzuki GSX-S1000GT, ein leistungsstarker Tourer mit viel Komfort.
3. Du bist also gerne sportlich auf Tour?
Ich würde mich eher als klassische Tourenfahrerin bezeichnen. Ich mag Wochenendtouren, aber auch längere Urlaubsreisen habe ich schon mit dem Bike unternommen. Gerne bin ich den Alpen unterwegs, und dann darf es ruhig noch ein Stück weiter in die Sonne nach Italien oder Slowenien gehen.
4. Gibt es eine Sache, die du mit (d)einem Bike unbedingt mal machen möchtest?
Eine Offroadtour würde ich gerne mal machen. Bislang habe ich mich wegen meiner Größe noch nicht getraut, da mir die meisten Adventure Bikes zu hoch sind. Ich denke, ich sollte mal eine geführte Tour ausprobieren.
Zwischen Schraubenschlüssel, Alpenpässen und Familienalltag
5. Und was machst du, wenn du dich gerade nicht mit Motorrädern beschäftigst?
Ich kümmere mich um meine zweijährige Tochter, und auch meine Katzen nehmen viel Zeit in Anspruch. Zudem habe ich eine große Familie. Wenn ich mal entspannen will, spiele ich PC-Spiele.
6. Wie bist du zum Motorradfahren gekommen?
Als ich etwa 14 war, hatten die Jungs in den höheren Klassen schon Mopeds. Da bin ich gelegentlich mitgefahren. Das Unterwegssein auf zwei Rädern hat mich spontan fasziniert. Es hat dann allerdings noch ein paar Jahre gedauert, bis ich mit 19 meinen Führerschein gemacht und mir mein erstes eigenes Bike gekauft habe.
7. Wann kam die Idee auf, in der Motorradbranche zu arbeiten?
Zunächst war ich in der Gastrobranche tätig, ich bin gelernte Restaurantfachfrau. Neben der Freude am Motorrad-Fahren, hat mich aber auch immer das Motorrad-Schrauben interessiert. Deshalb habe ich mich entschlossen, eine zweite Ausbildung zu machen – zur Zweiradmechatronikern, Fachrichtung Motorrad. Das hat mich einiges an Überwindung gekostet, denn dieser Schritt war ja mit finanziellen Einbußen verbunden; doch der Wunsch war stärker.
8. Wie haben sich deine ersten Schritte in der Motorradbranche angefühlt
Zunächst war es gar nicht mal so leicht, eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Viele Betriebe hatten damals keine getrennten Sanitärbereiche, so dass sie keine weiblichen Auszubildenden beschäftigen konnten. Und das Lehrlingsgehalt war seinerzeit auch mehr als dürftig. Aber ich wollte diese Ausbildung nun mal durchziehen.
9. Wie ging es weiter?
In meinem ersten Ausbildungsbetrieb, einer winzigen Werkstatt, war ich zusammen mit zwei Umschülern. Es wurden kaum Lerninhalte vermittelt, wir mussten meist schon an Kundenaufträgen arbeiten. Ich spürte, dass das so keinen Sinn hatte. Dann bekam ich die Möglichkeit, mitten in der Ausbildung zu Suzuki Dresden zu wechseln. Das war eine komplett andere Welt. Dort gibt es geregelte Strukturen, einen Ausbildungsplan und einen Meister, der für die Azubis zuständig ist. Der hat mich ganz individuell gefördert. Wenn ich also gesagt habe, ich muss noch lernen, wie ich ein Rad einspeiche, dann habe ich einen Tag lang ein Rad ein- und wieder ausgespeicht, bis es gesessen hat.
10. Wie hat sich die Wahrnehmung von Frauen in der Motorradwelt in den letzten Jahren verändert?
Frauen sind selbstverständlicher geworden. Sei es als Motorradfahrerin oder als Mitarbeiterin in Motorradbetrieben. Es kommt heute kaum noch vor, dass jemand „den Kollegen“ verlangt, wenn er mit mir telefoniert.

11. Welcher Erfolg oder Moment in deiner Karriere ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Während der Lockdowns in der Corona-Zeit durften wir als Werkstatt weiterarbeiten. Ich fand es unglaublich toll, dass ich den Leuten dabei helfen konnte, dass sie zumindest ihr Hobby ausüben konnten. Da hat man noch deutlicher als sonst gemerkt, welchen Stellenwert das Motorrad im Leben vieler Menschen hat.
Persönliche Leidenschaft und Inspiration
12. Du hast vorhin das Thema „Schrauben“ angesprochen. Hast du aktuell ein eigenes Projekt?
Ich habe die Jawa meines verstorbenen Opas in der Garage. Die möchte ich wieder herrichten. Die Maschine ist komplett zerlegt, viele Teile sind schon gepulvert. Der Zusammenbau muss aber noch warten – aktuell brauche ich einfach viel Zeit für meine Tochter.
13. Was bedeutet Motorradfahren für dich persönlich?
Auf dem Bike kann ich den Kopf ausschalten (lacht) – zumindest die Gehirnregion, die für den Alltag zuständig ist.
14. Was ist dir in deinem beruflichen und privaten Leben besonders wichtig
Ganz wichtig ist mir der Spaß an der Arbeit und Teil der Firma zu sein. Wir haben ein ganz tolles Betriebsklima, so dass ich mich hier richtig gut aufgehoben fühle. Ich mag es auch, dass die meisten unserer Kunden sehr locker sind und man einen entspannten Umgang miteinander pflegt.
15. Welche Karriereziele hast du?
Ein konkretes Ziel habe ich derzeit nicht. Ich möchte ganz allgemein in meinem Job immer besser werden und dazu beitragen, Dinge hier im Unternehmen zu verbessern. Zum Glück ist der Chef sehr aufgeschlossen für andere Perspektiven.
16. Welche aktuellen Entwicklungen in der Branche beschäftigen dich besonders?
Immer strengere Nomen erschweren es, individuelle Wünsche umzusetzen. Ich frage mich auch, wohin die Reise in Sachen E-Mobilität geht, und inwieweit wir in dieser Hinsicht Veränderungen in unserer Branche zu erwarten haben und was diese Entwicklung insgesamt mit der Motorradszene machen wird.
Botschaft an Frauen
17. Wie lautet deine persönliche Botschaft an Frauen, die sich für einen Job in der Motorradbranche interessieren?
Mach, worauf du Lust hast. Achte dabei darauf, was im Bereich deiner Möglichkeiten ist und schau, dass du dich wohl dabei fühlst, wenn du deinen Weg gehst.
